

Nachruf auf Renate Ackermann
(gehalten an der Trauerfeier am 20.05.09)
Lieber Florian, liebe Marlene, liebe Sabine, liebe Trauerfamilie, sehr geehrte Trauergemeinde.
Renates überraschender Tod erfüllt uns mit tiefer Trauer und unendlichem Mitgefühl für Euch. Mit Renate Ackermann verlieren wir einen Menschen, für den Hilfsbereitschaft und Engagement nicht nur eine Tugend, sondern eine regelrechte Verpflichtung war. Renate war für alle da, die schwach und hilfsbedürftig waren.
In der gemeinsamen Zeit, die ich mit ihr erleben durfte, war sie immer engagiert, ohne verbohrt zu sein. Sie war bestimmt, ohne herrisch zu sein. Sie war offen und spontan für neue Ideen, ohne den Plan zu verlieren. Sie wusste sehr viel, ohne besserwisserisch zu sein. Aber sie war sich auch nie zu gut, eine vermeintlich blöde Frage zu stellen, wenn sie etwas nicht verstand. Sie war ein Mensch der schnell Ja sagte, es dann aber nicht beim Ja-sagen beließ, sondern sich konsequent für die Sache einsetzte.
Der Verein Spielinseln, der sich zum Ziel gesetzt hat, Kindern und Jugendlichen Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten in der ganzen Stadt zu verschaffen, war ihr Verein und hat auch mich mit ihr zusammengebracht. Begeistert vom Erfolg der Kinderkarawane 1996 hat sie sich sofort als Vorsitzende des Vereins zur Verfügung gestellt, die sie bis jetzt war. Mit großem Engagement und klaren Vorstellungen hat sie zahlreiche Spielinseln in unserer Stadt geschaffen, die sicher noch viele Jahre den Kindern Freude bereiten werden. Begonnen haben wir damit, Hüpfspiele auf den Boden zu malen. Doch durch Renates Engagement konnten wir bald von den Spenden der GZ-Weihnachtsaktion richtige Bewegungsspiele installieren. Nie vergessen werde ich die Puppentheaterstücke, die wir dazu aufführten. Heute stehen die Spielinseln vor dem Oberlin-Kindergarten, in Altenstadt unter den Linden, im Schulhof des Michelberggymnasiums und im Stadtpark und sind immer umlagerte und genutzte Mittelpunkte der dort spielenden Kinder. Durch ihren Beruf wusste sie genau, was den Kindern fehlt, und hat sich auch klar für die richtigen Objekte eingesetzt. Ihr bevorzugtes Material Edelstahl wird uns hoffentlich noch lange an ihre Ideen erinnern.
Nur folgerichtig war dann ihr weiteres Engagement im Bündnis für Familien, das sich nicht nur für Kinder, sonder auch für ein lebenswertes, familienfreundliches Umfeld engagierte. Das Projekt Notinseln, bei dem bedrohte Kinder und Kinder in Angst Schutz in Läden und Geschäften finden können, lag ihr dabei sehr am Herzen und die Umsetzung war ihr wichtig.
Dass bei einem solchen Engagement auch ein kommunalpolitisches Interesse dahintersteckt, hat Renate Ackermann bei mehreren Wahlen zum Kreis und Gemeinderat bewiesen, zu denen sie kandidiert hat. Auch hier lagen ihr die kinder- und jugendpolitischen Themen sehr am Herzen. Ihr Ziel war, die Situation der Kinder durch eine Fortbildung der Eltern zu verbessern. Sie war für die GAL die Spitzenkandidatin, und nachdem sie bei der letzten Wahl nur um wenige Stimmen gescheitert ist, haben wir jetzt alle mit einem Sitz im Gemeinderat für sie gerechnet.
In ihrem Beruf hatte sie es auch mit vielen Kindern fremder Herkunft zu tun, so lag es nahe, dass ihre Kompetenz im Integrationsrat gesucht und gefragt war. Renate nahm auch dort nie ein Blatt vor den Mund und war eine hochgeachtete Diskussionspartnerin. Es war immer wieder schön, zu sehen, wie sie auch in der Freizeit von Kindern aller Nationalitäten freudig begrüßt wurde.
In Istanbul hat sie sich vor ein paar Jahren mit dem damaligen Lehrer der türkischen Kinder in Geislingen, Ali Ketboga, über das Leben und die Lebensumstände der Kinder dort informiert. Vergangenes Wochenende hat mich bei meinem Besuch Istanbuls, den ich wegen Renates Schwärmereien mit dem gleichen Reiseführer gemacht habe, die schreckliche Nachricht von ihrem Tod erreicht.
Ich denke, wir werden erst mit der Zeit die vielen Löcher sehen, die Renate hinterlässt.
Wir werden sie nie vergessen.