
Presseerklärung
Die Zukunft des Autos ist grün
MdB Winfried Hermann im Gespräch mit Prof. Dr. Stefan Reindl
Der verkehrspolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, Winfried Hermann, und der stellvertretende Direktor des Geislinger Instituts für Automobilwirtschaft, Prof. Dr. Stefan Reindl, lieferten sich vergangenen Donnerstag im Biergarten im Stadtpark auf höchst unterhaltsame und informative Weise eine zweistündige Non-Stop-Kontroverse über die „Mobilität der Zukunft“ – obwohl sie in der Sache weitgehend übereinstimmten.
Der Kreisverband von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hatte den Besuch Hermanns in Geislingen anlässlich des Wahlkampfauftaktes in der Rätsche (wir berichteten) genutzt, ihn zuvor mit dem Automobilexperten Reindl zu einem öffentlichen Fachgespräch in gemütlicher Atmosphäre zusammen zu bringen. Dass Prof. Reindl ein Studienkollege des grünen Bundestagskandidaten Bernhard Lehle war, verlieh dem Treffen von Beginn an einen freundlichen und humorvollen Charakter.
Dennoch wurden die Streitthemen nicht gescheut: Der grüne Verkehrsexperte betonte die Notwendigkeit des radikalen Umsteuerns, während sich Reindl in der Rolle sah, die deutsche Automobilwirtschaft, aber auch die Autofahrer vor überzogener Kritik in Schutz nehmen zu müssen. Im Endergebnis erwiesen sich aber die Unterschiede in ihren Auffassungen als eher gering.
„Die Zukunft des Autos ist grün – oder es gibt keine Zukunft des Autos.“ Seine provokant erscheinende Kernthese, deren erster Teil aber mittlerweile schon Eingang in die Automobilwerbung gefunden habe, begründete Hermann mit der immensen und immer noch wachsenden Bedeutung der verkehrsbedingten CO2-Abgase für das Weltklima und die zunehmende Verknappung der Ölreserven. Angesichts der für die nächsten Jahre prognostizierten Verdopplung des weltweiten PKW-Bestands, gebe es überhaupt keine Alternative zu einer radikalen Umsteuerung im Verkehr: Verkehrsvermeidung durch „kompakte Städte“, Ausbau und Verbesserung des Angebots im Öffentlichen Verkehr, intelligente Verkehrssteuerung, aber vor allem eine grundlegende Veränderung von Technik und Nutzung des auch in Zukunft mit Abstand wichtigsten Verkehrsmittels, des Automobils!
Reindl wollte dem nicht grundsätzlich widersprechen, mahnte aber, dass derartige Veränderungen Jahrzehnte benötigten und keinesfalls über staatliche Bevormundungen zu machen seien. Insbesondere dürfe die Politik nicht die Technologien vorschreiben, sondern dies den Unternehmen überlassen.
Obwohl sich die beiden Diskutanten ständig gegenseitig versicherten, dass dies alles nicht strittig sei, fanden sie genug Stoff für Kontroversen, sei es über die vom Auto abhängigen Arbeitsplätze (jeder siebte oder doch nur jeder zwanzigste in Deutschland, je nachdem, ob auch z.B. Taxifahrer und Autohändler dazugezählt würden), sei es über den Anteil der Autos am Treibhausgasaufkommen (ein Viertel oder ein Fünftel, je nach Statistik) oder darüber, wie sehr Politiker mitunter beim Pointieren ihrer Positionen auch mal ein bisschen Unsinn erzählen müssten (Prof. Reindl hatte sich über Renate Künasts Aussage, die deutschen Autobauer hätten in der Vergangenheit jeden Trend verschlafen, geärgert).
Erscheinungsdatum: Montag 03.08.2009
