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Eine Fernsehdiskussion, fünf verschiedene Blickwinkel

Werner Simmling, FDP: "Eine Werbe-veranstaltung für die Große Koalition."
Bernhard Lehle, Grüne: "Negativ aufgefallen sind mir die Moderatoren."
Klaus Riegert, CDU: "Angela Merkel, ganz Kanzlerin."
Sabine Rösch-Dammenmiller, Die Linke: "Fragen mit vielen Worten nicht beantwortet."
Sascha Binder, SPD: "Was will die CDU überhaupt verändern?"

Wie die fünf Bundestagskandidaten aus dem Wahlkreis Göppingen das TV-Duell Merkel - Steinmeier beurteilen
 
Wie kam Bundeskanzlerin Merkel an? Wie schlug sich der Herausforderer Steinmeier am Sonntagabend im TV-Duell? Die GZ befragte dazu die fünf Bundestagskandidaten aus dem Wahlkreis Göppingen.

 

RODERICH SCHMAUZ

 

Kreis Göppingen. "Angela Merkel, ganz die Kanzlerin: Kompetent und glaubwürdig. Bereit, auch für die nächsten vier Jahre Verantwortung für unser Land zu tragen." So urteilt ihr CDU-Parteifreund Klaus Riegert. Er anerkennt zudem, dass die Fernsehdiskussion "kein Duell und kein Showdown" gewesen sei, sondern ein Gespräch zwischen Kanzlerin und Stellvertreter, die vier Jahre zusammengearbeitet hätten. Angela Merkel habe ihre höhere Professionalität ausgespielt und "den Kandidaten auf Abstand gehalten", urteilt der CDU-Abgeordnete.
 
Dieses Fazit aus einer sachlichen Diskussion zieht SPD-Kandidat Sascha Binder: "Kanzlerin Merkel will keinen Mindestlohn, keinen Atomausstieg, keine angemessene Begrenzung der Managergehälter. Für mich bleibt nach wie vor offen, was die CDU überhaupt verändern möchte." Kanzlerkandidat Steinmeier hat nach Einschätzung Binders deutlich gemacht, dass "Steuersenkungen in der Höhe wie sie Schwarz-Gelb vorschlagen, ein Wachstum von neun Prozent benötigen, um eine solide Gegenfinanzierung zu gewährleisten". Binder glaubt, das Duell wäre mit weniger Moderatoren interessanter geworden.


"Die Erwartungen waren hoch, das Ergebnis mäßig." Auf diesen Nenner bringt Bernhard Lehle, Bundestagskandidat der Grünen, die Fernsehdiskussion der beiden Spitzenpolitiker von CDU und SPD. Das in und von den Medien zum "Duell" hochgespielte Treffen sei so verlaufen, wie er es erwartet habe, konstatiert Lehle. Durch die Beteiligung beider Parteien an der letzten Regierung habe "keiner dem anderen massive Fehler vorwerfen und großartige Änderungen proklamieren" können. Die vorhersehbaren Unterschiede bei Atomkraft, Steuern und möglichen Regierungskoalitionen seien keine Überraschung gewesen.
 
"Negativ ist mir der Umgang der Journalisten mit den beiden Politikern aufgefallen, die sowohl durch Fragestellung, wie auch durch Unterbrechen versucht haben, Einfluss zu nehmen", kritisiert der Grüne. Und: "Ich hatte stellenweise das Gefühl, dass die Moderatoren fast schulmeisterlich mit den Kandidaten umgingen." Die Vor- und Nachberichterstattung habe ihn eher an einen Boxkampf als an eine politische Debatte erinnert. "Ganz gefehlt haben mir gesamtgesellschaftlich und global wichtige Themen wie Klimaschutz, Bildung und der Umgang mit dem Thema Armut, sowie die Finanzierungslösungen dieser Probleme", so Lehle.
 
Werner Simmling, der Bundestagskandidat der FPD im Landkreis Göppingen, urteilt so: "Ich mache es kurz! Das war eine Werbeveranstaltung für die Große Koalition, wie Günter Jauch unmittelbar nach der Befragung von Merkel und Steinmeier es bemerkt hat." Da hätten zwei die Fortsetzung der Großen Koalition nach dem 27. September vorbereitet, mutmaßt der Liberale. Jetzt sei der Wähler mit seiner Stimme mehr denn je gefragt, diese Absicht zu durchkreuzen, "um doch noch einer Regierung der bürgerlichen Mitte aus CDU/CSU und FDP eine ausreichende Mehrheit zu verschaffen". Dem Vertrauen in die Politik, der Demokratie und nicht zuletzt der Zukunft Deutschlands wäre damit ein großer Dienst getan.
 
Im Rededuell zwischen der Kanzlerin und dem Herausforderer habe es erwartungsgemäß keinen Schlagabtausch gegeben, konstatiert Sabine Rösch-Dammenmiller von der Linken. Angela Merkels nächster Koalitionswunschpartner sei die FDP, gleichzeitig betone sie aber die gute Zusammenarbeit mit der SPD, so Rösch-Dammenmillers Hinweis auf einen Widerspruch. Kritisch vermerkt sie zudem, dass Frank-Walter Steinmeier wiederum keine möglichen Partner benenne, aber die Linken auf Bundesebene als Koalitionspartner ausschließe. "Auf die drängende Frage, wer die Krise bezahlen wird, konnten und wollten beide nicht antworten", findet die Kandidatin der Linken. Ihr Fazit: "Es erstaunt immer wieder, wie Politiker es schaffen, eine Frage mit vielen Worten nicht zu beantworten, und zwar so hartnäckig, bis die eigentliche Frage fallen gelassen wird." Die Verlierer des TV-Duells seien die Wähler, die sich Antworten in der schweren Krise erhofft hätten, darin aber enttäuscht worden seien.
 
 

Erscheinungsdatum: Dienstag 15.09.2009 (zur GZ...)