
Grüne: Aus der Krise lernen
Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt sprach in Göppingen
Wahlkampfauftakt der Grünen in Göppingen mit einer Kundgebung auf dem Marktplatz: Hauptrednerin war gestern am späten Nachmittag die Vizepräsidentin des Bundestags, Katrin Göring-Eckardt.
KARL-HEINZ STROHMAIER
Göppingen Grüne Sonnenschirme, grüne Wahlplakate, eine Band, die mit fetziger und schwungvoller Musik auf ein anstehendes Ereignis aufmerksam machen sollte, dass dann doch erst mit einiger Verspätung vor einer durchaus überschaubaren Zuhörerschar begann: Die Grünen im Kreis Göppingen sind jetzt auch in der Hohenstaufenstadt mit einer Kundgebung auf dem Marktplatz in den Wahlkampf eingestiegen. Hauptrednerin war Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt, die ihr Publikum mit einer rhetorisch gelungenen und kämpferischen Rede zum Zuhören animierte.
Jörg-Matthias Fritz vom Grünen-Ortsverband erinnerte zunächst daran, dass die die Grünen in Baden-Württemberg ihren 30. Geburtstag feiern könnten: 200 Mitglieder hoben in Sindelfingen die Partei aus der Taufe, ein Jahr darauf zogen sechs Abgeordnete in den Landtag ein. Fritz: "Und wir sind immer noch da." Auch wenn der damalige Ministerpräsident Lothar Späth der neuen Partei nur geringe Zukunftschancen eingeräumt habe.
Ökologie und Ökonomie, so ging Fritz auf die aktuelle Situation ein, würden nicht nur zusammengehen, sondern seien der Schlüssel aus der Krise. Denn in der Ökologie würden die Wachstumsmärkte der Zukunft liegen. Aber grüne Politik, so warb er um Stimmen für seine Partei, gebe es nur mit Grün.
Vier Wochen Wahlkampf habe sie in Thüringen gerade hinter sich, so Katrin Göring-Eckardt - ein Wahlkampf, für den die Grünen auch belohnt worden seien. Und deshalb sei auch der Bundestagswahlkampf wichtig, so meinte sie.
"Wir haben uns in den letzten Monaten mit einer dramatischen Finanz- und Wirtschaftskrise beschäftigt, so die Rednerin. Diese Krise aber mit der Klimakrise zu verbinden, das sei der regierenden Koalition nicht gelungen. So kam die Bundestagsvizepräsidentin gleich zu ihrem Thema: Nur wenn dies geschehe, so meinte sie, "können wir erfolgreich sein". Das sei nur mit den Grünen zu schaffen, deshalb müssten die Grünen auch stark in den Bundestag einziehen: "Damit Klima und Arbeitsplätze an erster Stelle stehen." Es sei aber verrückt, so sagte sie wörtlich, heute noch auf Atomkraft zu setzen. Sie müsse durch erneuerbare Energieformen ersetzt werden, das sei bis 2040 zu 100 Prozent zu schaffen: "Das ist keine Vision, sondern eine Notwendigkeit." Die Abwrackprämie geißelte sie als "zum Fenster hinausgeschmissenes Geld". Mit diesen fünf Milliarden hätte man ihrer Meinung nach locker soziale Leistungen erhöhen können: "Das war kontraproduktiv, weil die Ökologie mit diesen Autos nicht vorangekommen ist." Neue Arbeitsplätze sieht Göring-Eckardt eben bei den erneuerbaren Energien, wobei sie die Beispiele Solarenergie und Gebäudesanierung nannte: "Das sind Arbeitsplätze, die lange halten." Notwendig sei auch, in die Bildung zu investieren. Auch das bedeute Arbeitsplätze. Und eine bessere Bildungspolitik brauche dieses Land, wolle es ein modernes Land bleiben. Freilich: Nicht nur die Politik allein, sondern jeder einzelne Mensch, so sagte Göring-Eckardt, die auch Präses der EKD ist, müsse seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten: "Wir sollten darüber nachdenken, was gute Lebensqualität ist, was wir konsumieren und was Ressourcenverbrauch bedeutet." Es könne nicht sein, so die Rednerin, dass "wir nur aus unserer eigenen Bequemlichkeit heraus Ressourcen zu Lasten anderer Menschen verbrauchen".
Erscheinungsdatum: Donnerstag 03.09.2009 (zur NWZ...)
"Wir Grünen haben die besten Lösungen"
Sein Weg zu den Grünen, so sagte gestern der Bundestagskandidat der Partei im Wahlkreis Göppingen, Bernhard Lehle, bei der Kundgebung auf dem Göppinger Marktplatz, habe im Geislinger Jugendhaus begonnen. Ein prägendes Ereignis sei für ihn die Menschenkette gewesen. Er habe danach für den Geislinger Gemeinderat kandidiert, sei im dritten Versuch auch gewählt worden und gehöre auch dem Göppinger Kreistag an. Warum also nun in den Bundestag? Warum die Kandidatur? Lehle: "Wir hatten in der Vergangenheit mit Andreas Braun zweimal einen Kandidaten, der von auswärts gekommen ist." Seiner Meinung nach sollte der Bundestagskandidat im Kreis heimisch sein. Deshalb sei er angetreten. Er wisse, was die Menschen hier im Stauferkreis bewege, was ihre Sorgen und ihre Stärken seien. Lehle: "Wir Grünen haben die besten Lösungen."
Erscheinungsdatum: Donnerstag 03.09.2009 (zur NWZ...)
