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Im Wahlkampf hoch hinaus

Cem Özdemir hing gestern im Roggental in den Seilen und diskutierte hernach über das komplexe Thema Klettern und Naturschutz. Foto: Markus Sontheimer

Cem Özdemir kletterte im Roggental - Diskussion mit Naturschützern
 
Der Bundesvorsitzende der Grünen Cem Özdemir erlebte gestern bei Eybach das Klettern hautnah. Deutlich wurden bei dem Termin aber auch die unterschiedlichen Interessen von Kletterern und Naturschützern.

BIRGIT REXER

 

Eybach  Wahlkampf kann manchmal ganz schön in die Knochen gehen: Das erfährt der Bundesvorsitzende der Grünen Cem Özdemir beim Klettern an der Roggennadel in der Nähe von Eybach. Initiator des Termins ist der Sprecher des Arbeitskreises Klettern und Naturschutz im Landkreis Göppingen Heinz Buchmann. "Ich habe im Februar ein Interview gelesen, in dem Cem Özdemir auf seinen Artikel über das Klettern angesprochen wurde", erklärt er. In den 90er Jahren hatte der Grünen-Vorsitzende in einem Artikel auf das Verhalten der Kletterer im Uracher Raum und die Probleme mit dem Schutz der Natur hingewiesen. "Das führte damals zu heftigen Diskussionen", erinnert sich Özdemir. Inzwischen ist das Klettern per Naturschutzgesetz geregelt, auch wenn es sich hierbei um einen Kompromiss handelt. "Auch wenn beide Seiten nicht zufrieden sind, hat sich die Regelung doch bewährt", betont Ludwig Walderich von der Bezirksgruppe Geislingen des Bundes Naturschutz Alb-Neckar.
 
Vor Ort wird dann schnell klar, Naturschutz und Klettern birgt immer noch Konfliktpotenzial. "Es geht darum, dass die Natur geschützt wird und die Arten am Fels überleben können", erklärt Walderich. Die Kletterer fordern auf der anderen Seite eine flexiblere Handhabung der Regeln. "Die Regelung des Naturschutzgesetzes lässt keine Flexibilisierung der Brutzeitregelung zu", sagt Heinz Buchmann.

 

Trotzdem hat sich die Stimmung inzwischen gewandelt. "Es ist an der Zeit, aufeinander zuzugehen", sagt Cem Özdemir. Auch Heinz Buchmann sieht das Klettern mit dem Grünen-Politiker als Gelegenheit, am Felsen "zu greifen und auch zu begreifen, auch wenn es von der Grundidee her weiterhin Differenzen geben wird".
 
Angesichts der steilen, gut 25 Meter hohen Roggennadel scheinen Cem Özdemir, der durch einen Zugausfall Geislingen gut eine Stunde verspätet erreicht, dann schon Zweifel zu kommen, zumal ein Regenguss das Klettern am Felsen zusätzlich schwierig macht. Trotzdem schafft es der Grünen-Direktkandidat für den Stuttgarter Wahlkreis I rund zehn Meter nach oben. "Das wird bestimmt nicht meine Lieblingssportart", stellt Cem Özdemir auf halber Höhe fest.
 
Bernhard Lehle, Bundestagskandidat der Grünen für den Landkreis Göppingen, bleibt währenddessen lieber auf dem Boden. In der anschließenden Diskussion in der Gaststätte "Obere Roggenmühle" geht es dann nochmals um die unterschiedlichen Interessen hinsichtlich des Kletterns und des Naturschutzes. "Ich sehe schon, dass wir das an diesem Termin nicht klären können", sagt Lehle, zumal es zu Irritationen führte, dass die Grünen die unterschiedlichen Naturschutzorganisationen nicht zu dem Termin im Roggental eingeladen hatten. "Ich habe deshalb einige Anrufe bekommen, nachdem der Termin in der Zeitung stand", berichtet Ludwig Walderich. "Die Schwierigkeit war, wo fange ich an, wo höre ich auf, wenn ich einlade", versucht Bernhard Lehle zu erklären, der sich aber einen weiteren Termin vorstellen kann, um die Diskussion fortzuführen.
 

Erscheinungsdatum: Donnerstag 03.09.2009 (zur NWZ...)

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